Corona Meistern

Die Bewältigung der Folgen der Covid-19-Pandemie stellt die Ausbildungsbetriebe, die Berufsschulen und die Auszubildenden vor enorme Herausforderungen. Um in dieser Situation Nachteile zu vermeiden und die Ausbildungsziele sicher erreichen zu können, ist das verantwortungsvolle und zugleich pragmatische Handeln aller an der Ausbildung Beteiligten gefordert. Stand: 07.April 2020

 

Allgemein:

– Insofern muss es den Berufsschülerinnen und -schülern ermöglicht werden, Lernaufgaben, die ihnen ersatzweise in digitaler oder anderer Form zur Verfügung gestellt werden, zu bearbeiten. 

– Die hierfür erforderlichen Zeitfenster sind durch die Ausbildungsbetriebe zur Verfügung zu stellen. 

– Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf diejenigen Auszubildende zu legen, die vor den Abschlussprüfungen stehen. Insbesondere für diese ist sicherzustellen, dass ausreichende Möglichkeiten zur Prüfungsvorbereitung – auch und gerade in Kooperation mit der zuständigen Berufsschule – eingeräumt werden. 

– Die betriebliche Ausbildung liegt nach dem BBiG bzw. der HwO im Zuständigkeitsbereich der zuständigen Stellen. 

– Link der IHK Region Stuttgart zu häufig gestellten Ausbildungsfragen während der Corona-Pandemie: https://www.stuttgart.ihk24.de/fuer-azubis/faq-liste-ausbildung-coronakrise-4737762#titleInText0 

 

Muss der Auszubildende in den Ausbildungsbetrieb, wenn die Berufsschule geschlossen hat und was passiert mit den Lerninhalten? 

– Grundsätzlich ja. Allerdings entfällt bei einer Schulschließung nicht die Pflicht zum Erlernen der theoretischen Ausbildungsinhalte. Der Betrieb sollte die ausgefallene Berufsschulzeit dazu nutzen, seinen Azubis Gelegenheit zu geben, sich mit Hilfe von Lehrbüchern, Arbeitsblättern, Lernplattformen, Cloud-Lösungen oder anderen Medien den anstehenden Lernstoff anzueignen bzw. sich auf die schriftlichen Prüfungen vorzubereiten. 

– Der Ausbildungsbetrieb muss den Azubis dafür zudem Zeit zur Verfügung stellen, da die Betriebe den Azubis die berufliche Handlungsfähigkeit vermitteln müssen. Dazu gehören die nach der Ausbildungsordnung für die einzelnen Berufe erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten. Die zu vermittelnden „Kenntnisse“ beziehen sich dabei auf die Theorie. Die Vermittlung der theoretischen Ausbildungsinhalte wird den Betrieben in der Regel durch die Berufsschule weitestgehend abgenommen. 

– Fällt die Berufsschule aus, müssen die Betriebe den für die Berufsausbildung wesentlichen theoretischen Lehrstoff selbst vermitteln oder sich einen Bildungsträger suchen, der dies für sie übernimmt. 

– Der Betrieb muss deshalb den Azubis zur Aneignung der theoretischen Inhalte des Ausbildungsberufes die Zeit zur Verfügung stellen, welche die Azubis normalerweise für berufsrelevante Fächer in der Berufsschule verbracht hätten. Ideal ist es, wenn der Betrieb es ermöglichen kann, dass die von den Schulen/Lehrern bereitgestellten Lerninhalte in für das Lernen geeigneten betrieblichen Räumen bearbeitet werden können. Dann kann der betriebliche Ausbilder bei auftretenden Fragen diese beantworten oder den Azubis Hilfestellungen und Hinweise geben. Ist das im Betrieb nicht möglich, muss der Betrieb den Azubis die Zeit hierfür im „Homeoffice“ zur Verfügung stellen. 

– Es muss ihm die Zeit zur Verfügung gestellt werden, die für die Aneignung des wesentlichen Lehrstoffs in der Schule auch erforderlich gewesen wäre. Der Betrieb kann also die Zeit für die allgemein bildenden Schulfächer abziehen (z. B. Religion oder Sport). 

 

Darf ein Auszubildender von der Ausbildung fernbleiben oder freigestellt werden? 

– Grundsätzlich dürfen Azubis die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, Azubis von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben. 

– Die Freistellung von Azubis ist in § 15 des Berufsbildungsgesetzes bzw. § 9 des Jugendarbeitsschutzgesetzes geregelt. Sie ist auf die Berufsschule bzw. die Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte und die Teilnahme an Prüfungen beschränkt. Andere Freistellungsgründe gibt es nicht. 

– Dies bedeutet, dass eine „Freistellung“ infolge von Arbeitsmangel ausscheidet. Grund ist, dass Azubis nach dem Ausbildungsvertrag nicht ihre Arbeitskraft schulden, sondern ihre Bereitschaft, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erlernen. 

– Werden Auszubildende also wegen Arbeitsmangels oder aufgrund behördlicher Verbote freigestellt, muss dennoch die Ausbildungsvergütung in voller Höhe weiter bezahlt werden. Außerdem entstehen dadurch Fehlzeiten in der Ausbildung, die bei längerer Dauer auch dazu führen können, dass Auszubildende nicht zur Abschlussprüfung zugelassen werden können. 

– In der aktuellen Situation hat die Freistellung von Auszubildenden auch häufig finanzielle Gründe. Als Alternative dazu bietet sich für Betriebe und Auszubildende die Teilzeitausbildung nach § 7a Berufsbildungsgesetz an. Damit kann die tägliche oder die wöchentliche Ausbildungszeit um bis zu 50 Prozent im gegenseitigen Einvernehmen verkürzt werden.

WICHTIG: Allerdings verlängert sich dadurch auch die Ausbildungszeit entsprechend der vereinbarten Verkürzung. 

– Die Vertragsänderung in eine Teilzeitausbildung hat gegenüber der Freistellung also sowohl für Ausbildungsbetriebe als auch für Auszubildende entscheidende Vorteile: 

o Die Ausbildungsvergütung muss dann auch nur noch in Höhe der entsprechenden prozentualen Kürzung der Ausbildungszeit ausgezahlt werden. 

o Azubis entstehen durch die Verlängerung der Gesamtdauer der Ausbildung entsprechend der Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit keine Fehlzeiten; ihre Zulassung zur Abschlussprüfung ist dadurch nicht in Gefahr. 

 

Werden die Zwischenprüfungen im Frühjahr 2020 stattfinden oder verschoben? 

– Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) setzen Zwischenprüfung für Frühjahr 2020 ersatzlos aus – eine Nachholpflicht für betroffene Prüflinge besteht nicht. Die zuständigen IHK-Gremien haben sich am 16.03.2020 darauf verständigt, die für das Frühjahr 2020 angesetzte Zwischenprüfung ersatzlos entfallen zu lassen. Auf ein nachträgliches Ablegen der Zwischenprüfung wird für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge verzichtet. 

– Die Zwischenprüfung soll den Azubis wie auch den Ausbildenden in den Betrieben zur Mitte der Berufsausbildung in erster Linie eine Rückmeldung über den Leistungsstand geben. Beide Seiten erhalten damit einen Hinweis wie beispielsweise das Lernen weiter gefördert und Ausbildungsmaßnahmen verbessert werden können. 

– Anders als bei der Abschlussprüfung ergeben sich aus den Ergebnissen der Zwischenprüfung jedoch keine verbindlichen Folgen für das Bestehen des Berufsabschlusses. Sie fließt als Prüfungsleistung nicht in das Endergebnis der Abschlussnote ein. Daher wird seitens der IHKs als zuständige Stellen auf ein nachträgliches Ablegen der Zwischenprüfung für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge verzichtet. Grund für diese Entscheidung ist die objektive Unmöglichkeit, die Zwischenprüfung in der derzeitigen Lage und unter den geltenden, behördlichen Auflagen im Zusammenhang mit der Corona-Krise durchzuführen. Das Aussetzen der Zwischenprüfung gilt ausschließlich für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge. 

 

Werden Azubis ohne eine Zwischenprüfung überhaupt zur Abschlussprüfung zugelassen? 

– Azubis, die ihre Zwischenprüfung jetzt nicht schreiben können, werden auch ohne Zwischenprüfung zur Abschlussprüfung zugelassen. 

 

Finden die Abschlussprüfungen im Sommer statt? 

– Ja, nach derzeitigem Stand werden die Abschlussprüfungen stattfinden. Die schriftlichen Abschlussprüfungen in Baden-Württemberg werden für nahezu alle Berufe gemeinsam mit den Berufsschulen im Land nach jetzigem Stand in der Zeit vom 23. bis zum 25. Juni 2020 nachgeholt. 

– In wenigen einzelnen Berufen, zum Beispiel Druck- und Medienberufe und 2-jährige Berufe, werden bereits eine Woche vor den genannten Terminen schriftliche Prüfungen durchgeführt. Alle Betriebe, Umschulungsstätten, Auszubildenden und Umschüler werden über die neuen Zeitpläne zeitnah von ihrer IHK informiert. Die Termine für die praktischen und mündlichen Prüfungen werden auf die neuen schriftlichen Termine angepasst und ebenfalls zeitnah den Betroffenen mitgeteilt. 

– Die am 27. März vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichen Termine für die schriftlichen IHK-Ausbildungsprüfungen gelten nicht für Baden-Württemberg. Aufgrund einer zwischen dem Kultusministerium und den IHKs geschlossenen „Vereinbarung über die gemeinsame Durchführung des schriftlichen Teils“ der Schulabschlussprüfung und der Abschlussprüfung in anerkannten Ausbildungsberufen gelten gesonderte Termine. 

 

Quelle: Marion Gentges MdL/ Abgeordnete des Wahlkreises Lahr
(Landtagsbüro: Haus der Abgeordneten, Konrad-Adenauer-Straße 12 in 70173 Stuttgart)